Die geplante Beschränkung von PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) zählt zu den umfassendsten Chemikalienregulierungen der EU. Die Stoffgruppe, oft als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet, umfasst tausende Substanzen mit vielfältigen industriellen Anwendungen. Für Unternehmen in zahlreichen Branchen entstehen daraus erhebliche regulatorische und wirtschaftliche Herausforderungen.
Jetzt ist der entscheidende Zeitpunkt, um sich strategisch vorzubereiten.
Aktueller Stand des Verfahrens
Der Beschränkungsvorschlag wurde im Februar 2023 von fünf EU-Mitgliedstaaten bei der Europäische Chemikalienagentur (ECHA) eingereicht. Ziel ist eine weitreichende Regulierung nahezu aller PFAS – von kurzkettigen Verbindungen bis hin zu Polymeren – da sie in der Umwelt extrem persistent sind. Nur wenige essenzielle Anwendungen sollen Ausnahmen oder Übergangsfristen erhalten.
Das Verfahren läuft im Rahmen der europäischen Chemikalienverordnung REACH-Verordnung. Nach Stellungnahmen des Risk Assessment Committee (RAC) und des Socio-Economic Analysis Committee (SEAC) wird im ersten Quartal 2026 eine weitere öffentliche Konsultation erwartet. Diese Phase bietet Unternehmen die Möglichkeit, fundierte Daten und Argumente in den Entscheidungsprozess einzubringen.
Ein überarbeitetes Hintergrunddokument berücksichtigt bereits tausende Stellungnahmen aus der ersten Konsultation und enthält zusätzliche Analysen zu betroffenen Anwendungen sowie möglichen Beschränkungsoptionen.
Betroffene Branchen und zentrale Herausforderungen
Die geplante Regulierung betrifft nicht nur Hersteller von PFAS, sondern auch zahlreiche Anwenderbranchen – darunter Automobilindustrie, Elektronik, Luftfahrt und Textilwirtschaft. PFAS werden dort wegen ihrer außergewöhnlichen Hitze-, Chemikalien- und Abriebfestigkeit eingesetzt.
Unternehmen stehen insbesondere vor folgenden Herausforderungen:
- Fehlende technisch und wirtschaftlich gleichwertige Alternativen
- Hohe Umstellungskosten und mögliche Neuausrichtung der Lieferketten
- Unsicherheit über die Wirtschaftlichkeit künftiger Lösungen
- Datenlücken zu Emissionen, Exposition und konkreten Einsatzbereichen
- Unklare PFAS-Vorkommen in Zukaufteilen, Hilfs- oder Betriebsstoffen
PFAS können beispielsweise in Beschichtungen von Leiterplatten, in Lacken oder in fluorierten Tensiden enthalten sein. Entsprechend komplex ist die Bewertung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Einflussmöglichkeiten strategisch nutzen
Die anstehende Konsultation 2026 ist entscheidend. Gut belegte Beiträge können Ausnahmen oder realistische Übergangsfristen unterstützen – insbesondere wenn eine Substitution technisch nicht möglich oder wirtschaftlich unverhältnismäßig ist.
Wichtige Bewertungsaspekte im Verfahren sind unter anderem:
- Wirksamkeit der Risikoreduzierung
- Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen
- Sozioökonomische Auswirkungen
- Auswirkungen auf Lieferketten und KMU
- Verfügbarkeit und Bewertung von Alternativen
Sowohl einzelne Unternehmen als auch Branchenverbände können Stellungnahmen einreichen. Entscheidend sind belastbare Daten, technische Nachweise und nachvollziehbare Argumentationslinien.
Eine verlässliche PFAS-Analytik ist entscheidend, um Datenlücken zu schließen und regulatorische Anforderungen zu erfüllen. Die Auswahl geeigneter Prüfstrategien hängt von Anwendung, Material und regulatorischem Ziel ab. Wir bieten Unternehmen die gezielte Unterstützung bei der Auswahl geeigneter Prüf- und Untersuchungsstrategien – individuell abgestimmt auf Produkte, Materialien und Lieferketten. Dabei stehen Praxisnähe, regulatorische Konformität und wirtschaftliche Umsetzbarkeit im Mittelpunkt. Ebenso unterstützen wir bei der Identifikation relevanter regulatorischer Anforderungen und deren strukturierter Einordnung in bestehende Compliance-Prozesse.
Die PFAS-Beschränkung wird die regulatorischen Rahmenbedingungen in Europa grundlegend verändern. Unternehmen sollten jetzt handeln: Datenlücken schließen, Alternativen bewerten, Lieferketten prüfen und sich aktiv in den Konsultationsprozess einbringen. Wer frühzeitig strategisch vorgeht und auf professionelle Unterstützung setzt, kann Risiken minimieren und regulatorische Spielräume bestmöglich nutzen.
